Systemische Therapie

Systemische Therapie ist ein eigenständiges Verfahren mit einer Vielzahl von Methoden und Anwendungsbereichen. Ursprünglich aus der Familientherapie entwickelt, kommt die Systemische Therapie und Beratung heute in der Arbeit mit Einzelnen, Paaren, Familien und Gruppen zum Einsatz. Sie betrachtet den einzelnen Menschen im Beziehungsnetz und in Wechselwirkung seines Umfeldes. Sie versteht psychische und psychosomatische Symptome als Anpassungsleistung des Individuums an die Umwelt. Symptome sind somit Ausdruck von zwischenmenschlichen und anderen psychosozialen Konflikten und können auch als biologische Stressindikatoren angesehen werden.

Ziele der systemischen Therapie:
Ziel systemtherapeutischer Arbeit ist es, stagnierende Entwicklungsprozesse in Gang zu bringen, indem systemeigene Kräfte und Möglichkeiten aktiviert und unterstützt werden.
Interventionen haben zum Ziel, problemverstärkende oder erhaltende Muster deutlich werden zu lassen, Ressourcen zu aktivieren und die Sichtweisen und Handlungsmöglichkeiten der Beteiligten lösungsorientiert zu erweitern.

Die drei Grundhaltungen der Therapeutin:

  • Hypothetisieren: Durch das Aufstellen von Hypothesen werden aus Beobachtungen gewonnene Daten miteinander verknüpft.
  • Zirkularität: Diese Interviewmethode (zirkuläres Fragen) erlaubt es, Informationen zu gewinnen und entwickelte Hypothesen weiter zu differenzieren.
  • Neutralität: Die Therapeutin ist eine respektvolle, kooperative, kreative und neugierige Dialogpartnerin.

Anwendungsbereiche

  • Psychische und psychosomatische Probleme und Leidenszustände von Betroffenen und Angehörigen
  • Beziehungstraumata in der Kindheit
  • Bindungsstörungen, Entwicklungsschwierigkeiten, posttraumatische Belastungsstörungen
  • Sich wiederholende problematische Beziehungsmuster
  • Lebensübergänge, die von Krisen und Sinnverlust begleitet sind 

Quelle: Nach Selvini-Palazzoli, Boscolo, Cecchin&Prata (1980) in Kraiker C., Peter B., Psychotherapieführer. München: Beck, 1998., S. 251 ff.